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INSPIRATION FÜR KÖRPER, GEIST UND SEELE                
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KGS Artikel (September 2016)

Weib­lich­keit ist ei­ne Stär­ke

Die hei­len­den Kräf­ten des Le­bens er­fül­len erst ih­ren Sinn, wenn sie für das Gan­ze, zum Woh­le des Le­bens selbst, ge­nutzt wer­den. Al­tes Wis­sen, Hei­lung, In­tui­ti­on, Pries­ter­schaft, Göt­tin­nen­be­wusst­sein – wie im­mer man es nen­nen will, wir Frau­en tra­gen ei­ne in­ne­re Ver­bin­dung in uns, die mehr ist als das, was man im All­tag se­hen, an­grei­fen, be­rech­nen und er­klä­ren kann. Wir ha­ben Zu­gang zu den Zwi­schen­wel­ten, wir ha­ben Zu­gang zum Nicht­sicht­ba­ren, Nicht­greif­ba­ren, Nich­ter­klär­ba­ren, weil wir das Mys­te­ri­um der Schöp­fung und des Wer­dens als Frau­en ver­kör­pern. Auf die­se Wei­se sind wir auch Hei­le­rin­nen, Wis­sen­de, Trä­ge­rin­nen des Mys­te­ri­ums des Weib­li­chen, und wir sind auf na­tür­li­che Wei­se eng ver­bun­den mit der schöp­fe­ri­schen Exis­tenz.

Vie­le Frau­en sind sich des­sen nicht be­wusst. Man­che tra­gen ei­ne Vor­s­tel­lung da­von in sich, doch oft­mals sind das eher ro­man­ti­sche Bil­der als die Es­senz des­sen, was es wirk­lich be­deu­tet und wie sehr es un­ser Le­ben ver­än­dern kann. Sich den weib­li­chen En­er­gi­en zu­zu­wen­den, be­deu­tet zu­n­ächst, die Wahr­heit in sein Le­ben ein­zu­la­den, sich der ei­ge­nen Tie­fe zu stel­len und sich tief­grei­fen­den Er­fah­run­gen zu öff­nen. Dies ist kei­nes­wegs ei­ne poe­ti­sche Aus­drucks­wei­se, die man den Tex­ten für weib­li­che The­men manch­mal fäl­sch­li­cher­wei­se zu­schreibt.

Aus mei­ner ei­ge­nen Er­fah­rung kann ich sa­gen, dass man „si­che­res Ter­rain“ ver­lässt. Man glaubt zu wis­sen, wor­auf man sich ein­lässt. Doch die Pra­xis zeigt: Es ist viel mehr, als man sich zu Be­ginn vor­s­tel­len kann. Wenn wir in un­se­rer Tie­fe wei­te­re Wer­te ent­de­cken, wenn wir mehr von uns selbst er­le­ben wol­len, be­deu­tet das im­mer Ver­än­de­rung. Manch­mal auch mit Fol­gen für Ar­beits­le­ben, Part­ner­schaf­ten, Le­bens­mo­del­le. Sich der ei­ge­nen Tie­fe zu­zu­wen­den, be­deu­tet auch, sich der ei­ge­nen Wahr­heit zu­zu­wen­den – und vor al­lem, die­se dann ins ei­ge­ne (Er-)Le­ben zu in­te­grie­ren (Yin). An­dern­falls wä­re das Wis­sen (Yang) leb­los. Die Frau kann Le­ben schen­ken – nicht nur als Mut­ter hin zu Kin­dern, auch hin zu sich selbst, zum Le­ben an sich. Sich der ei­ge­nen Es­senz zu­zu­wen­den be­deu­tet im­mer, dem Auf­trag zu fol­gen, „es“ auch ins Le­ben zu ho­len und „es“ zu le­ben. Mehr und mehr. Wahr­haf­tig. Und ge­ra­de weil wir dies als Frau­en ver­kör­pern, ge­schieht Hei­lung nur dann, wenn wir es auch le­ben, all­täg­lich. Nicht nur in Ri­tua­len oder Büchern in Se­mi­na­ren. Es ist das Le­ben, das „es“ uns zu­ruft. „Es“ ist all je­nes, was wir noch nicht in an­de­re Wor­te fas­sen kön­nen, das Mys­te­ri­um un­se­rer in­ners­ten Es­senz, der ei­ge­nen Wahr­heit. Die­se ist so in­di­vi­du­ell, wie wir Frau­en ver­schie­den sind, so in­di­vi­du­ell wie die Viel­zahl der Frau­en, die es gibt. „Es“ zu le­ben, be­deu­tet auch, die ei­ge­ne In­di­vi­dua­lität zu er­for­schen und sie mu­tig zu le­ben, frei von An­ge­passt­heit, frei von Dog­ma und Kon­di­tio­nie­rung. „Es“ zu le­ben, be­inhal­tet im­mer ein „Ja“ zur ei­ge­nen Ein­zig­ar­tig­keit.

Wenn uns da­bei et­was blo­ckiert, dann in ers­ter Li­nie die Angst. Sie ver­sperrt uns den Weg zum Wach­sen, sie ver­sperrt uns den Weg zu den tie­fe­ren Schich­ten un­se­res Be­wusst­seins. Angst ist die na­tür­li­che Re­ak­ti­on, wenn wir uns zur ei­ge­nen Wahr­heit be­we­gen. Angst zeigt uns auf, wor­in un­ser The­ma liegt. Die „Angst, ver­las­sen zu wer­den“ weist uns dar­auf hin, dass wir Angst da­vor ha­ben, al­lein zu sein. Auf die­ser Ebe­ne kön­nen wir uns die The­men be­trach­ten: Was macht das Al­lein­sein aus? Wie kön­nen wir uns das Al­lein­sein zum Freund ma­chen?

Ei­ne Ebe­ne tie­fer zeigt uns die­sel­be Angst auf, dass „ich mich selbst womög­lich schon ver­las­sen ha­be“. Auf bei­den Ebe­nen lädt uns die Angst ein, uns um uns selbst zu küm­mern. Dies ist der Hin­weis: „Geh ei­nen Schritt zu­rück vom Außen, hin zu dir, wen­de dich dir und da­mit auch dei­nem In­nen zu.“ Und es ist auch im­mer ei­ne Ein­la­dung zur ei­ge­nen Au­t­hen­ti­zität. Nicht vom Außen sol­len wir Ver­än­de­rung ver­lan­gen, son­dern bei uns selbst nach uns selbst for­schen. Wir sind auf­ge­ru­fen, bei uns selbst an­zu­do­cken und uns aus die­ser in­ne­ren Ver­bin­dung her­aus dem Außen zu zei­gen.

Wenn wir un­se­re Ängs­te nicht an­ge­hen, lau­fen wir Ge­fahr, ge­lebt zu wer­den. Dies ken­nen wir als ty­pisch weib­li­ches The­ma. Wenn wir der Kon­fron­ta­ti­on aus dem Weg ge­hen und so tun, als wä­re al­les in Ord­nung, hal­ten wir uns selbst nicht nur in ei­nem al­ten Mus­ter ge­fan­gen, wir hal­ten uns auch fern vom ei­ge­nen wahr­haf­ti­gen Frau­Sein. Auf der kör­per­li­chen Ebe­ne drückt sich Angst in ers­ter Li­nie als Mü­dig­keit und Er­schöp­fung aus, denn die Emo­ti­on der Angst ver­braucht viel En­er­gie.

Um­ge­kehrt aus­ge­drückt, wenn du dich oft mü­de und er­schöpft fühlst, dann nimm die Fähr­te zu dei­nen Ängs­ten auf, die du in dei­nem all­täg­li­chen Le­ben im­mer wie­der vor­fin­dest.

(Aus­zug aus dem Buch „Das Yin-Prin­zip. Ent­de­cke dei­ne weib­li­che Es­senz“ von Da­nie­la Hut­ter, Gold­mann Ver­lag)


Drei Fra­gen an Da­nie­la Hut­ter

Da­nie­la, du sagst, dass je­der von uns – un­ab­hän­gig vom Ge­schlecht – weib­li­che und männ­li­che An­tei­le in sich trägt. Wie un­ter­sch­ei­den sich die denn?

Al­les, was den Ver­stand an­spricht, das Tech­ni­sche, Lo­gi­sche, Ana­ly­ti­sche, ist das Männ­li­che. Aber auch die­ses „höher, wei­ter, schnel­ler“-Den­ken und al­les, was das Neue sucht, wen­det sich an die männ­li­che Struk­tur, das Yang. Das Fle­xi­b­le, Ver­trau­en­de, Mit­füh­len­de, sich öff­nen, emp­fan­gen, hin­ge­ben, auf sein Ge­fühl und sei­ne In­tui­ti­on hö­ren – all das sind die weib­li­chen An­tei­le, das Yin. Und in­dem wir die­se Din­ge in die Welt, in die Schaf­fens­pro­zes­se ein­brin­gen, ge­ben wir den Aus­gleich zum Yang.

Und wir brau­chen auch bei­de An­tei­le in uns, da­mit wir aus­ge­g­li­chen sind?

Ja, ge­nau. Das Bild von Yin und Yang of­fen­bart es sehr klar: Das ei­ne exis­tiert nicht oh­ne das an­de­re. So braucht es auch in un­se­rem In­nern das Männ­li­che und das Weib­li­che, die­se bei­den Po­le. Weil auch al­les auf die­ser Welt in Po­len er­schaf­fen ist. Doch weil in un­se­rer Ge­sell­schaft zum Bei­spiel ge­ra­de das „höher, schnel­ler, wei­ter“-Den­ken ge­för­dert und be­lohnt wird, wir uns sehr an un­se­rer Außen­welt ori­en­tie­ren, lie­gen bei vie­len von uns die weib­li­chen An­tei­le im Ver­bor­ge­nen, die männ­li­chen An­tei­le ha­ben Über­hand. Das da­durch ent­s­te­hen­de Un­gleich­ge­wicht in uns spü­ren vor al­lem wir Frau­en. Es ent­spricht ein­fach nicht un­se­rer wah­ren Na­tur, wenn wir un­se­re weib­li­chen An­tei­le zu­rück­hal­ten.

Du sagst, dass je­der et­was dafür tun kann, um mit dem Yin wie­der in Kon­takt zu kom­men und so das Weib­li­che zu för­dern. Kannst du un­se­ren Le­se­rin­nen ei­ne ers­te Übung ge­ben, die da­bei hilft?

Ger­ne. Ma­che dir zu­n­ächst be­wusst, dass das Yin sich an dein In­ne­res wen­det. Das Yin sucht wie ein fließen­des Was­ser die Tie­fe. Schließe nun dei­ne Au­gen und ver­bin­de dich über ei­ni­ge Atem­zü­ge mit dei­ner In­nen­welt. Ge­he da­zu mit dei­ner Auf­merk­sam­keit zu dei­nem So­lar­p­le­xus, et­was über dei­nem Bauch­na­bel. Viel­leicht magst du auch dei­ne lin­ke Hand dort hin­le­gen. Die rech­te Hand legst du auf dein Herz. Dann sprichst du die fol­gen­den Wor­te laut aus und fühlst je­dem ein­zel­nen Wort nach: Was­ser – fließend – Hin­ga­be – oh­ne Kon­trol­le – Kreis – Eins wer­den. Wenn du mit den As­pek­ten des Yin schwingst, dann spürst du, wie du auf die Qua­litä­ten des Yin re­a­gierst, in­dem dein Kör­per sich ent­spannt, dein Herz sich öff­net, ei­ne in­ne­re Wei­te ent­steht.


Dein RI­TU­AL: Das Wis­sen um dei­ne Be­dürf­nis­se Für die­se Ri­tu­al brauchst du ei­nen Spie­gel, den du mög­lichst hin­s­tel­len kannst, ei­ne Uhr, Stift und Pa­pier.
Schen­ke dir jetzt ganz be­wusst Zeit, es war­tet ei­ne wich­ti­ge Auf­ga­be auf dich, denn dei­ne Be­dürf­nis­se wol­len er­hört wer­den. Sor­ge dafür, dass du un­ge­s­tört bist und schaf­fe ei­ne ru­hi­ge At­mo­s­phä­re. Schließe nun dei­ne Au­gen, at­me An­span­nung aus, ent­span­ne dich mit je­dem Atem­zug mehr. Wenn du be­reit bist, den All­tag los­zu­las­sen und bei dir an­zu­kom­men, dann öff­ne die Au­gen, nimm den Spie­gel zur Hand und be­trach­te dich dar­in. Nimm Blick­kon­takt mit dir selbst auf, at­me be­wusst und las­se ei­ne Ver­bin­dung zu dei­nem Spie­gel­bild ent­s­te­hen. Fol­ge der Ein­la­dung dei­ner See­le, sie wird dir er­zäh­len, wel­che Be­dürf­nis­se dir wich­tig sind, wel­chen du zu we­nig Be­ach­tung schenkst und wel­che dir viel­leicht noch nicht ein­mal be­wusst sind. Schen­ke dir ei­ne Zeit des Lau­schens, du wirst se­hen: Es zeigt sich im­mer et­was.
Dann nimm dei­ne Schreib­u­ten­si­li­en und dei­ne Uhr und be­gin­ne zu schrei­ben – für 30 Mi­nu­ten. No­tie­re ein­fach was im­mer kommt, den­ke nicht dar­über nach. Sei ein Se­k­re­tär dei­ner selbst, schrei­be al­les auf und lass dich nicht ab­len­ken.
Die­ses Ri­tu­al bringt dich in Kon­takt mit dei­nem in­ne­ren Selbst. Es ist be­son­ders kraft­voll, wenn du es ein­mal wöchent­lich wie­der­holst und über min­des­tens sie­ben Wo­chen bei­behältst.

 

KGS Artikel (September 2016)