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INSPIRATION FÜR KÖRPER, GEIST UND SEELE                
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KGS Hamburg Magazin Artikel (Mai 2015)

In der Stil­le das Gött­li­che er­fah­ren

Dia­na Co­oper ist Eng­lands be­kann­tes­te Au­to­rin zu den The­men En­gel und auf­ge­s­tie­ge­ne Meis­ter. Beim 10. In­ter­na­tio­na­len En­gel­kon­gress wird sie in ih­rer Me­di­ta­ti­on ge­mein­sam mit den An­we­sen­den ei­ne Ver­bin­dung zum Gött­li­chen her­s­tel­len, zu den Schutz­en­geln, Erz­en­geln und an­de­ren En­geln, die uns Men­schen Füh­rung und Un­ter­s­tüt­zung ge­ben möch­ten, wenn wir sie nur dar­um bit­ten. Um die Stim­me des Gött­li­chen zu ver­neh­men, müs­sen wir still wer­den – dann kann die En­gel­e­ner­gie uns da­bei hel­fen, un­ser Le­ben zu trans­for­mie­ren.

Das Ge­setz der Me­di­ta­ti­on

Me­di­ta­ti­on heißt auf die Stim­me Got­tes hö­ren. Sie er­for­dert, dass man sich ab­seits vom Ge­tüm­mel und Lärm des Le­bens nie­der­setzt, um die lei­se ru­hi­ge Stim­me des Gött­li­chen zu ver­neh­men.

Hast du je­mals am Te­le­fon mit ei­nem je­ner Leu­te ge­s­pro­chen, die un­auf­hör­lich auf dich ein­re­den, oh­ne je auf dei­ne Er­wi­de­run­gen ein­zu­ge­hen? Wann im­mer du ver­suchst, dei­ner­seits ein Wort an­zu­brin­gen, be­ach­tet die an­de­re Per­son das nicht und schwatzt drauf­los. Ver­su­che ich, mit ei­ner sol­chen Per­son zu kom­mu­ni­zie­ren, dann le­ge ich auf, so­bald ich kann. Wie oben, so un­ten. Das Uni­ver­sum wird me­ta­pho­risch den Hö­rer auf­le­gen, wenn du sei­nen Er­wi­de­run­gen nicht zu­hörst.

Be­test du stän­dig, oh­ne dir Zeit zu neh­men, auf die Ant­wort zu hö­ren, dann er­hältst du kei­ne Ant­wort, weil dein lee­res Ge­schwätz Gott nicht da­zu kom­men lässt, ein Wort an­zu­brin­gen. Die meis­ten von uns ha­ben ei­nen Af­fen­geist, das heißt ewig schnat­tern­de Ge­dan­ken. Ziel und Ab­sicht der Me­di­ta­ti­on ist es, das Ge­sch­nat­ter lan­ge ge­nug an­zu­hal­ten, da­mit die Quel­le ih­re Saat der Füh­rung und Weis­heit aus­säen kann. Wäh­rend die­ser stil­len Au­gen­b­li­cke sind wir of­fen für In­spi­ra­tio­nen und Ant­wor­ten auf un­se­re Fra­gen. Manch­mal er­hal­ten wir so­fort ei­ne gött­li­che Ant­wort, doch meist ver­spü­ren wir ein­fach ein Ge­fühl der Ru­he und Stil­le, wäh­rend die Sa­men­kör­ner ge­pflanzt wer­den. Sie sprießen und wach­sen im Lau­fe der Zeit und tra­gen spä­ter in un­se­rem Le­ben Früch­te.

Neu­lich dis­ku­tier­te ich mit ei­ner Freun­din über die Kraft der Me­di­ta­ti­on. Sie be­rich­te­te mir, ei­ne ih­rer Freun­din­nen ha­be vor kur­zem an ei­ner die gan­ze Nacht an­dau­ern­den Chan­ting-Me­di­ta­ti­on teil­ge­nom­men. Die­se Freun­din hat­te sich ge­ra­de ei­ne klei­ne Woh­nung ge­kauft und ein­ge­rich­tet. Als sie nach der Me­di­ta­ti­on nach Hau­se fuhr, fühl­te sie sich leicht und klar. Plötz­lich hat­te sie ei­ne Of­fen­ba­rung, dass sie be­gin­nen soll­te, an­de­re zu un­ter­rich­ten, und zu die­sem Zweck ein Haus mit ei­nem ent­sp­re­chend großen Raum brau­che. Sie mach­te ei­nen Um­weg und kam an ei­nem Haus vor­bei, vor dem das Schild „Zu ver­kau­fen“ stand. Sie wuss­te so­fort, dass dies ihr Haus war. Als sie es be­sich­tig­te, stell­te sie fest, dass es ein großes, für ih­re Zwe­cke ide­al ge­eig­ne­tes Wohn­zim­mer hat­te. Da sie viel Ar­beit in ih­re klei­ne Woh­nung ge­steckt hat­te, konn­te sie die­se mit Ge­winn wie­der ver­kau­fen und war da­durch in der La­ge, ei­ne An­zah­lung auf das Haus zu leis­ten. In­ner­halb ei­ni­ger Wo­chen leb­te sie in ih­rem neu­en Heim, und ihr Un­ter­richt konn­te be­gin­nen. Sie wuss­te, dass die Nacht der Me­di­ta­ti­on das Gött­li­che in die La­ge ver­setzt hat­te, die Ge­dan­ken­saat ei­nes für sie völ­lig un­er­war­te­ten neu­en Le­bens aus­zu­säen.

„Schau nach in­nen und das Kö­nig­reich des Him­mels ist dein.“ Wäh­rend der Me­di­ta­ti­on ha­ben wir Ge­le­gen­heit, die uns ver­füg­ba­ren Res­sour­cen zu er­kun­den. Hier ist der Ort, an dem wir un­ser wah­res Selbst fin­den. Je nach un­se­rer in­ne­ren Welt le­ben wir im Him­mel oder in der Höl­le. Die Me­di­ta­ti­on er­laubt un­se­rem gött­li­chen Selbst, sich so aus­zu­deh­nen, dass wir uns von der Höl­le be­frei­en und den Him­mel er­schaf­fen kön­nen.

Es gibt vie­le Men­schen, die es nicht er­tra­gen, for­mell zu me­di­tie­ren. Ih­re ru­hi­gen, stil­len Au­gen­b­li­cke kom­men, wenn sie den Gar­ten pfle­gen oder in der Na­tur spa­zie­ren­ge­hen.

Krea­ti­ve Zei­ten, et­wa wenn man malt, Mu­sik macht oder töp­fert, brin­gen das Ge­schwätz des Ver­s­tan­des zum Schwei­gen und öff­nen die rech­te Ge­hirn­hälf­te für das Emp­fan­gen gött­li­cher In­spi­ra­ti­on. Al­les, was den Geist für ei­nen Au­gen­blick leert, er­laubt es dir, durch die Lü­cke in die gött­li­che En­er­gie zu schlüp­fen. Das ist der Zweck der Me­di­ta­ti­on.

Es gibt vie­le for­mel­le Ar­ten der Me­di­ta­ti­on. Al­le er­for­dern die­sel­be grund­le­gen­de Vor­be­rei­tung:

• Fin­de ei­ne Zeit, in der du un­ge­s­tört und in Frie­den sein kannst.
• Tra­ge lo­cke­re, be­que­me Klei­dung.
• Sit­ze mit ge­kreuz­ten Bei­nen oder auf ei­nem Stuhl.
• Hal­te den Rü­cken ge­ra­de.
• Ent­span­ne dich.

Nach­fol­gend ei­ni­ge der po­pu­lärs­ten Ar­ten der Me­di­ta­ti­on:

1. Sieh in die Flam­me ei­ner Ker­ze, bis die Au­gen­li­der schwer wer­den.

  • Nach­dem du die Au­gen ge­sch­los­sen hast, be­ob­ach­te die Ker­ze wei­ter mit dem geis­ti­gen Au­ge.
  • Kon­zen­trie­re dich ganz in­ten­siv.
  • So­bald dein Geist still ge­wor­den ist, lass das Bild los.
2. Kon­zen­trie­re dich auf dei­nen Atem, spü­re, wie er durch die Na­sen­löcher ein- und aus­strömt.
  • Zäh­le beim Ein­at­men von 1 bis 5.
  • Zäh­le beim Aus­at­men von 1 bis 5.
  • So­bald dein Geist still ge­wor­den ist, lass den Atem los.

3. Wie­der­ho­le still ein Man­tra oder die gött­li­chen Na­men, oder sin­ge ein Man­tra laut.

  • Man­tras und Na­men von Göt­tern sind ge­hei­lig­te Wör­ter, die gött­li­che At­tri­bu­te her­bei­ru­fen.
  • Vie­le Men­schen zie­hen es vor, ihr ganz per­sön­li­ches Man­tra zu ver­wen­den, das ih­nen von ei­nem spi­ri­tu­el­len Leh­rer ge­ge­ben wur­de, dem sie ver­trau­en.
  • So­bald dein Geist still ge­wor­den ist, lass das Man­tra los.

Kraft­vol­le Man­tras sind:

• Om na­ma shi­va­ya.

• Om ma­ni pad­me hum.

• Je­sus Chris­tus.

• Om Sai Ram (für An­hän­ger von Sai Ba­ba).

• Ko­doish, ko­doish, ko­doish, Ano­nai T’sba­yoth.

Wie bei je­der spi­ri­tu­el­len Übung ist die täg­li­che Re­gel­mäßig­keit des Me­di­tie­rens zu ei­ner be­stimm­ten Zeit und an ei­nem be­stimm­ten Ort ei­ne große Hil­fe. Kann man sich ei­nen Al­tar schaf­fen, auf den man ei­ne Ker­ze stellt so­wie Kris­tal­le, Fo­tos von Hei­li­gen und Meis­tern und Ge­gen­s­tän­de, die ei­nem hei­lig sind, dann stei­gert das wirk­lich die Schwin­gun­gen. Es hilft auch, Räu­cher­s­täb­chen und Weih­rauch zu ver­bren­nen. Vor dem Be­ginn könn­te man viel­leicht sa­kra­le Mu­sik spie­len und ein Ge­bet sp­re­chen. Ru­fe die Großen Licht­we­sen an und bit­te sie, wäh­rend dei­ner Me­di­ta­ti­on an­we­send zu sein.

Als ich in In­di­en im Ashram von Am­ma, der Um­ar­men­den Mut­ter, weil­te, hör­te ich ei­ne wun­der­schö­ne Ge­schich­te, die die Me­di­ta­ti­on aus ei­ner an­de­ren Per­spek­ti­ve zeigt. Ei­ner der Swa­mis hielt ei­nen Vor­trag (ein Swa­mi ist je­mand, der ein Gelüb­de der Ar­mut, Keusch­heit und des Ge­hor­sam ab­ge­legt hat und im Dienst sei­nes Gu­rus steht). Er war un­glaub­lich statt­lich, mit strah­len­den brau­nen Au­gen, ei­ner tie­fen dunk­len Stim­me und ei­nem wun­der­ba­ren La­chen. Zu sei­nen Auf­ga­ben gehör­te es, die abend­li­che Me­di­ta­ti­on im Tem­pel zu lei­ten. Mit sei­ner wohl­tö­nen­den Stim­me gab er drei Chants des Ma Ohm vor. Er tat dies mit großer Ehr­er­bie­tung, und man hät­te un­ter den Tau­sen­den von Gläu­bi­gen ei­ne Steck­na­del fal­len gehört. Of­fen­sicht­lich ge­noss er das sehr.

Er er­zählt uns fol­gen­de Ge­schich­te: Ei­nes Ta­ges, als der Tem­pel wie­der voll war, war­te­te er wie ge­wöhn­lich auf to­ta­le Stil­le, bis er be­gann. Al­le san­gen das wun­der­schö­ne Ma Ohm. Der Ge­sang ver­lor sich ge­ra­de in ehr­fürch­ti­ger Stil­le, als ein klei­nes Kind mit ei­ner ho­hen quäken­den Stim­me Ohhhm sang. Al­le be­gan­nen zu ki­chern, und er war wü­tend. Nach­dem er sich wie­der be­ru­higt hat­te, in­to­nier­te er das zwei­te Ma Ohm. Wie­der brach das Kind das Schwei­gen mit ei­nem quäken­den Ohhhhm, und al­le im Tem­pel prus­te­ten los vor La­chen. Er koch­te vor Wut. Das Kind ver­darb ihm sei­ne kost­ba­re Me­di­ta­ti­on. Er konn­te nichts wei­ter tun, als das drit­te Ma Ohm an­zu­stim­men, mit so­viel Hal­tung, wie er eben auf­brin­gen konn­te. Am En­de ki­cher­te das nicht zu brem­sen­de Kind laut, und je­der­mann schüt­tel­te sich vor La­chen.

Er war so wü­tend über die­ses furcht­ba­re Gör, das sei­ne Me­di­ta­ti­on rui­niert hat­te, dass er Am­ma schon bit­ten woll­te, sie mö­ge Kin­der wäh­rend der Me­di­ta­ti­on ganz aus dem Tem­pel ver­ban­nen. Er lief zu ihr, so­bald er konn­te. „Am­ma, was ich zu die­sem Kind sa­gen woll­te“, platz­te er her­aus.

„Ja“, sag­te sie sanft. „War es nicht wun­der­bar?“

„Wun­der­bar? Was meinst du mit wun­der­bar?“ spru­del­te es aus ihm her­aus. „Das Kind hat mei­ne Me­di­ta­ti­on ver­dor­ben.“

Am­ma blick­te ihn sanft an. „Ich den­ke, das siehst du falsch“, sag­te sie. „In der Me­di­ta­ti­on geht es nicht dar­um, wür­de­voll und ernst zu sein, son­dern um Glück­se­lig­keit, und das Kind hat die pu­re Glück­se­lig­keit der Un­schuld hin­ein­ge­bracht.“

Me­di­ta­ti­on ist die Ein­gangs­pfor­te zur Glück­se­lig­keit.


(Ab­druck mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des An­sa­ta Ver­la­ges aus dem Buch „Der spi­ri­tu­el­le Le­bens­rat­ge­ber von Dia­na Co­oper, Pb., 229 Sei­ten, 12,95 Eu­ro)

 

Quelle: KGS Hamburg Magazin (5/2015)