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KGS Hamburg Magazin Artikel (April 2013)

Sing dein ei­ge­nes Lied

Sie sind Part­ner im Le­ben und in der Mu­sik, seit sie sich 1990 in In­di­en ge­trof­fen ha­ben: De­va Pre­mal und Miten. Und was sie am meis­ten lie­ben, tei­len sie seit vie­len Jah­ren mit un­zäh­li­gen Freun­den ih­rer Mu­sik, die in den Kon­zer­ten auf der gan­zen Welt ganz mühe­los das Ein­tau­chen in ei­nen Raum von Lie­be, Hin­ga­be und Be­wusst­heit er­le­ben. Be­g­lei­tet wer­den De­va Pre­mal und Miten auf ih­rer Tour von dem ne­pa­le­si­schen Ban­su­ri-Flö­ten­spie­ler Ma­no­se und dem Pia­nis­ten Ma­nee­sh de Moor. Im In­ter­view mit Ju­no Cris­ti sp­re­chen die bei­den über Lie­be, Stil­le, Eins­sein und – Mu­sik.

Wer ist De­va?

De­va: Ich bin im­mer noch da­bei her­aus­zu­fin­den, wer De­va ist. Ich bin nicht so gut dar­in, La­bels zu ver­ge­ben. Ich weiß nicht, als was ich mich selbst be­zeich­nen wür­de. Wo­mit ich mich am bes­ten füh­le, ist die Rol­le ei­nes fa­ci­li­ta­tors, ei­ne Art Ver­mitt­le­rin für Men­schen, die zu­sam­men­kom­men und sin­gen und chan­ten. Ei­ne In­spi­ra­ti­on für Men­schen, da­mit ei­ne Kraft jen­seits von Wor­ten in ihr Le­ben ein­fließt und ih­nen hilft auf­zu­wa­chen. Sin­gen und Chan­ten ist ein di­rek­ter Aus­druck von Freu­de, Dank­bar­keit, Glück und Ge­mein­schaft – viel mehr als Sp­re­chen und der Ver­such, al­les im Griff zu ha­ben. Ja, ge­nau – die Ge­mein­schaft ist ein we­sent­li­cher As­pekt. Die Kraft des Eins­seins mit al­len – und das im ge­mein­sa­men Sin­gen und At­men aus­zu­drü­cken … das macht mei­ne Freu­de am Le­ben aus.

Hast du da­von als Kind ge­träumt?


De­va: Über­haupt nicht. Ir­gend­wann war mir klar, dass ich et­was tun woll­te, das mir im­mer Freu­de ma­chen wür­de und dass ich nie wäh­rend mei­nes Ar­beits­ta­ges dar­auf war­ten woll­te, nach Hau­se zu ge­hen und frei ha­ben zu kön­nen. Ich woll­te et­was tun, von dem sich in je­dem Mo­ment gut und rich­tig an­fühlt, dass ich es tue. Aber ich hat­te kei­ne Vor­s­tel­lung da­von, was das sein könn­te. 

Ich wuss­te, ich woll­te rei­sen. Aber ich hät­te nie ge­d­acht, dass ich et­was mit Mu­sik oder Sin­gen ma­chen wür­de. Das ha­be ich mir in mei­nen wil­des­ten Träu­men nicht aus­ge­malt. Für mich ist das viel mehr ein Ge­schenk, ein Se­gen, als et­was, das ich mir als mei­nen Ver­dienst an­rech­nen könn­te.

Was liebst du am al­ler­meis­ten an dem, was du tust?


De­va: Al­les. Ich mag wirk­lich al­les dar­an. So­gar das Kof­fer­pa­cken und Rei­sen und all das. Die High­lights sind na­tür­lich die Kon­zer­te, wenn wir ge­mein­sam die­se Tie­fe er­fah­ren. Der Höhe­punkt ist im­mer, wenn dem ek­s­ta­ti­schen Sin­gen die Stil­le folgt. Wir kön­nen mit so vie­len Men­schen, die zu ei­nem Kon­zert kom­men, in Stil­le sit­zen, nie­mand be­wegt sich, nie­mand hus­tet, nie­mand ra­schelt rum. Je­der ist ein­fach da, in der Stil­le und im Eins­sein, ganz oh­ne An­stren­gung. Das pas­siert ein­fach. Wir ha­ben nie­man­dem be­foh­len, still zu sein. Die Stil­le will ein­fach da sein. Sie ist da, oh­ne je­de Stö­rung – das ist ein­deu­tig der Höhe­punkt.

Wie hat sich dein Le­ben ver­än­dert, seit­dem du mit Miten zu­sam­men Mu­sik machst?


De­va: Das ma­che ich jetzt seit 21 Jah­ren. Mein hal­bes Le­ben lang. Tatsäch­lich ist es ei­gent­lich das ein­zi­ge Le­ben, das ich ken­ne, denn bis ich 20 war, bin ich zur Schu­le ge­gan­gen. Ich ha­be ein Jahr lang in ei­nem Ashram ge­lebt und seit­dem ha­be ich Mu­sik mit Miten ge­macht – ich ken­ne al­so nichts an­de­res. Seit 20 Jah­ren bin ich da­mit glück­lich! Es hat sich ein­fach so ent­wi­ckelt und ist auf­ge­blüht. Ich füh­le mich sehr ge­seg­net. Ich emp­fin­de auch ei­ne tie­fe De­mut. Und es ist ein Lern­pro­zess, denn Mu­sik ist ein stren­ger Leh­rer und ich se­he mich ei­gent­lich gar nicht als Mu­si­ke­rin. Ich kom­po­nie­re selbst we­nig. Miten ist der Kom­po­nist und Song­wri­ter, ich se­he mich als Sän­ge­rin oder Ka­nal für die Man­tras. Es for­dert mich manch­mal sehr, mich der Mu­sik, dem Gott der Mu­sik stel­len zu müs­sen. Die Mu­sik ist mein Spie­gel und mei­ne Her­aus­for­de­rung im Le­ben.

Was be­deu­tet Lie­be für dich?


De­va: Das möch­te ich gar nicht in Wor­te fas­sen. Ein „OM“ drückt das aus, und die Stil­le, die folgt. Ei­nes mei­ner Al­ben trägt den Ti­tel Love is Space. Ich ha­be die Er­fah­rung ge­macht, dass Lie­be wie das Uni­ver­sum ist, das al­les mit ein­schließt. Es liegt wirk­lich jen­seits von Wor­ten. Es geht um die Ein­zig­ar­tig­keit ei­nes je­den und dar­um, sie zu le­ben. 

Wenn du den Kin­dern die­ser Welt ei­ne Bot­schaft mit­ge­ben soll­test, was wä­re das?


De­va: Die Bot­schaft wä­re: Er­hal­te das Feu­er in dir am Le­ben. Fol­ge dei­ner ei­ge­nen in­ne­ren Stim­me. Ich er­in­ne­re mich, als ich Kind war – oder viel­leicht eher schon Teen­a­ger – war es schwie­rig für mich, weil ich nicht war wie al­le an­de­ren. Zu­erst ha­be ich ge­d­acht, ich will so sein wie al­le an­de­ren. Dann ha­be ich ge­d­acht, ich soll so sein wie die an­de­ren. Aber schließ­lich ha­be ich ge­merkt, dass das et­was in mir ab­tö­tet. Es geht al­so um die Ein­zig­ar­tig­keit ei­nes je­den von uns und dar­um her­aus­zu­fin­den, wie wir sie le­ben­dig hal­ten. 

Sing dein ei­ge­nes Lied. Was auch im­mer es ist – weil es de­ins ist, ist es ein­zig­ar­tig und es ist per­fekt! Wenn uns et­was leicht fällt, den­ken wir oft, es sei nichts wert. Aber meis­tens liegt ge­nau in der Ein­fach­heit die Ma­gie. Wir ha­ben ein Ge­schenk, das wach­sen kann und das wir mit an­de­ren tei­len kön­nen. 

Wer ist Miten?


Miten: Mir geht es sehr gut! Ich bin 64 Jah­re alt. Ich le­be ein wun­der­ba­res Le­ben. Mei­ne Rei­se hat mich an un­glaub­lich schö­ne Or­te ge­führt und ich bin vie­len wun­der­vol­len Men­schen be­geg­net. Ich bin dem Le­ben sehr dank­bar. In den letz­ten 20 Jah­ren, seit­dem De­va und ich uns be­geg­net sind, hat die Mu­sik ei­ne größe­re Rol­le für mich ge­spielt als je­mals vor­her. Ich war Pro­fi­mu­si­ker, be­vor ich En­de der 1970er, An­fang der 1980er Jah­re zu Os­ho ge­kom­men bin. Da hat­te ich be­sch­los­sen, kei­ne Mu­sik mehr zu ma­chen. Als ich zu Os­ho kam, ha­be ich al­so al­le mei­ne Gi­tar­ren ver­kauft und mich auf mei­nen spi­ri­tu­el­len Weg kon­zen­triert und dar­auf, in der Ge­mein­schaft auf­zu­ge­hen, dar­an teil­zu­ha­ben, zu ler­nen und in­ner­lich zu wach­sen. So ha­be ich als Os­hos Schü­ler die meis­te Zeit ge­lebt. Als dann die Mu­sik wie­der in mein Le­ben kam, war das vor al­lem, um mei­ne Dank­bar­keit ge­genüber mei­nem spi­ri­tu­el­len Meis­ter aus­zu­drü­cken.

Ich ha­be dann haupt­säch­lich Songs ge­schrie­ben und sie in den Me­di­ta­tio­nen in Pu­ne/In­di­en ge­sun­gen. Spä­ter ha­be ich De­va ken­nen­ge­lernt und sie da­bei un­ter­s­tützt, ih­re Mu­sik zu ma­chen. Zu dem Zeit­punkt hat sie nicht ge­sun­gen. Ich ha­be ihr ge­hol­fen, sich in der Mu­sik aus­zu­drü­cken und den Un­ter­schied zu füh­len zwi­schen Mu­sik, die am­bi­tio­niert für Geld ge­macht wird, und sol­cher, in der sich ei­ne spi­ri­tu­el­le Ver­bin­dung aus­drückt. Da ist ein großer Un­ter­schied. Zum Glück hat De­va nie in ei­ner an­de­ren Um­ge­bung Mu­sik ge­macht als im Um­feld von Me­di­ta­ti­on. Sie hat nie in ir­gend­ei­nem Rock­club ge­sun­gen. So ei­ne Art von Mu­si­ke­rin war sie nie. 

Un­se­re Mu­sik ist ein­fach or­ga­nisch zu dem ge­wor­den, was sie heu­te ist, wo wir um die Welt rei­sen und un­se­re Ver­bin­dung mit Os­ho durch die Mu­sik mit vie­len, vie­len Men­schen tei­len. Für mich ist das ein wun­der­ba­res Ge­fühl!

Was hast du von De­va ge­lernt?


Miten: Ich ha­be ge­lernt mich selbst zu lie­ben. Durch Os­ho ha­be ich er­fah­ren, dass wir die Lie­be mit an­de­ren tei­len, die wir für uns selbst ha­ben. Je mehr du dich selbst liebst, um­so mehr hast du zu tei­len. Wenn ich mich selbst lie­be, kann ich das ak­zep­tie­ren, was ich Feh­ler nen­ne, mei­ne Feh­ler. Ich ma­che mir selbst das Le­ben nicht schwer. Ich ver­s­te­he, dass ich nicht per­fekt bin, und ich ver­su­che auch nicht es zu sein. Ich bin per­fekt in mei­ner Un­voll­kom­men­heit. De­va hilft mir da­bei, das zu le­ben. Wir le­ben das auf ganz ein­fa­che Art ge­mein­sam. Wir sind nicht be­son­ders eso­te­risch. Un­se­re Be­zie­hung ist ein­fach, ge­er­det und lie­be­voll und wir ak­zep­tie­ren uns ge­gen­s­ei­tig. 

Was be­deu­tet Lie­be für dich?

Miten: Was Lie­be ist? Sie ist al­les. Sie ist die­ser Mo­ment. Wie in mei­nem Song „All is wel­co­me her …“. Lie­be ist Gott. Ich glau­be, das ist un­se­re Rea­lität. Al­les, was pas­siert und was wir als gut oder schlecht be­ur­tei­len, muss ge­nau so sein – auf ei­ne Art und Wei­se, die wir mit un­se­rem be­grenz­ten Ver­stand nicht grei­fen kön­nen. Aber ir­gend­wie ha­be ich die­ses Ver­trau­en, das al­les ei­nen Sinn hat. Ich se­he mich selbst in Lie­be le­ben, Lie­be ein- und aus­at­men und in dem sein, was wir Lie­be nen­nen. 

So se­he ich das. Ich ver­s­te­he Lie­be nicht als Be­zie­hungs­ge­schich­te. Na­tür­lich ist es das auch. Aber ich füh­le es nicht ex­k­lu­siv De­va ge­genüber. Ich glau­be, das ist pas­siert, als ich Os­ho be­geg­net bin. Ich hat­te mit ihm als Per­son kei­ne phy­si­sche Be­zie­hung. Es war nicht wie mit mei­nem Va­ter, mei­ner Fa­mi­lie, mei­ner Ge­lieb­ten oder mei­nem Sohn, mit de­nen ich ei­ne kör­per­li­che Ver­bin­dung ha­be. Es ging weit dar­über hin­aus. Es war ei­ne ganz an­de­re Art von Lie­be. Ei­ne, die ich nie vor­her er­fah­ren hat­te. Da­durch ha­be ich ver­s­tan­den, dass Lie­be viel, viel mehr sein muss, als ich ur­sprüng­lich ge­d­acht hat­te.

Aus­zü­ge aus dem In­ter­view von Ju­no Cris­ti für das In­ter­net­por­tal www.ju­no­cris­ti.blog­s­pot.com.


 

Quelle: KGS Hamburg Magazin (04/2013)