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KGS Hamburg Magazin Artikel (Februar 2011)

Die echte Verbindung

Die Ge­scheh­nis­se auf die­ser Er­de sind ge­prägt da­von, dass wir Men­schen im­mer noch meist ge­gen­ein­an­der le­ben, an­statt mit­ein­an­der. Dass wir uns nicht die Hand rei­chen, son­dern uns ge­gen­s­ei­tig an­grei­fen. Chuck Spez­za­no, welt­weit be­kann­ter, Buch­au­tor und Se­mi­nar­lei­ter, lei­tet in sei­nem neu­en Buch „Wenn al­le Men­schen Freun­de wä­ren …“ und sei­nem Se­mi­nar in Ham­burg im Fe­bru­ar 2011 da­zu an, Freund­schaft so zu le­ben, dass welt­weit po­si­ti­ve Wel­len schlägt. Chris­ti­an Sal­ve­sen hat mit dem Psy­cho­lo­gen über Lie­be und Hei­lung ge­s­pro­chen und dar­über, wie sich die Welt än­dern kann, wenn wir auf­hö­ren, in un­ser Ego zu in­ves­tie­ren.

Chuck, Sie ge­ben in Ham­burg ei­nen Work­shop über die hei­len­de Kraft der Freund­schaft. Kön­nen Sie et­was über Ih­ren ge­ne­rel­len An­satz da­bei sa­gen und über be­son­de­re Me­tho­den oder Übun­gen?

Freund­schaft ist so wich­tig, weil sie ei­ner der ein­fachs­ten We­ge ist, um wie­der ei­ne Bin­dung her­zu­s­tel­len. Je­de Hei­lung sorgt für ei­ne Art von Bin­dung. Ent­wi­ckelt sich das Be­wusst­sein, gibt es auch mehr Ver­bun­den­heit. Freund­schaft ist ei­ne ein­fa­che und na­tür­li­che Form des Ver­bun­den­seins. Zu­dem lässt sich da­mit wun­der­bar ei­ne Be­we­gung nach vor­ne kre­ie­ren. Die Men­schen sind mo­ti­viert, gu­te Freun­de zu sein, auch wenn sie Angst vor ei­ner Füh­rungs­po­si­ti­on oder vor ei­ner Part­ner­schaft ha­ben. So kann sich je­der ein­brin­gen und wei­ter­ent­wi­ckeln.

Freund­schaft er­schafft ein Fließen, den „Flow“, und wo al­les im Fluss ist, da füh­len wir uns be­son­ders gut, gleich­sam in un­se­rem bes­ten Selbst. Und ge­nau das be­wirkt Freund­schaft. Was im­mer wir ein­an­der ge­ben, ge­ben wir uns auch selbst. Ein­an­der zu lie­ben be­deu­tet, uns selbst zu lie­ben. Wenn wir je­man­den un­freund­lich be­han­deln, tun wir das dem ent­sp­re­chen­den Teil in uns selbst an. Wir kön­nen deut­lich er­fah­ren, dass un­ser Glück oder Un­glück da­durch be­stimmt ist, wie wir an­de­re be­han­deln. Wür­de sich je­der zur Freund­schaft be­ken­nen, so könn­ten sich die Bar­rie­ren in der Welt leicht auf­lö­sen und es wür­de zu ei­ner welt­wei­ten Ge­mein­schaft von Freun­den füh­ren. Ei­ne Welt, in der sich Freun­de ge­gen­s­ei­tig hel­fen, wä­re ge­ret­tet, denn das ist ei­ne Idee, die sich schnell ver­brei­ten und auf ei­ne Wei­se Ein­heit stif­ten kann, hin­ter der je­der auf der gan­zen Welt ste­hen wür­de.

In den vie­len Jah­ren mei­ner Ar­beit fand ich her­aus, dass Fa­mi­li­en und Freun­de Me­tho­den an­wen­den soll­ten, die auf ver­schie­de­nen Ebe­nen wir­ken: auf der be­wuss­ten, un­ter­be­wuss­ten, un­be­wuss­ten und der spi­ri­tu­el­len Ebe­ne des Be­wusst­seins. So kön­nen bei an­de­ren Ver­än­de­run­gen be­wirkt wer­den, denn un­se­re „Be­wusst­s­ei­ne“ sind mit­ein­an­der ver­bun­den.

Die christ­li­chen Kir­chen und an­de­re spi­ri­tu­el­le Tra­di­tio­nen pre­di­gen seit 2000 Jah­ren „Lie­be dei­nen Nächs­ten (oder so­gar dei­nen Feind)”, doch schein­bar oh­ne be­mer­kens­wer­ten Er­folg. Was sa­gen Sie da­zu? Bie­ten Sie da ei­nen neu­en Dreh, et­was Wirk­sa­me­res?

In un­se­rem Se­mi­nar re­den und pre­di­gen wir nicht über Lie­be. Lie­be wird er­fah­ren, und das ist ein ent­sch­ei­den­der Un­ter­schied. Im Se­mi­nar ent­steht ganz na­tür­lich ei­ne Ge­mein­schaft, denn die Grup­pe macht in­ten­si­ve Er­fah­run­gen der Hei­lung, die mit­ein­an­der ver­bin­den. Wenn sich Blo­cka­den auf­lö­sen, ist es ganz na­tür­lich, dass wir mehr Lie­be füh­len, den Flow, den Fluss, er­fah­ren und dass ü­be­r­all Ge­schen­ke auf­tau­chen. Un­ter dem Leid war­tet die Lie­be auf un­se­re Ein­la­dung. Das ist kei­ne Fra­ge der Zeit, son­dern es kommt auf die Kühn­heit an, die Lie­be ein­zu­la­den. Selbst wenn tie­fe­re Schich­ten von Leid zum Vor­schein kom­men, ent­s­te­hen da­durch wäh­rend ei­nes Work­shops mehr Lie­be und Ver­trau­en.

Die Men­schen er­ken­nen und füh­len für sich selbst, dass Lie­be nicht nur ein Wort oder ei­ne Idee, son­dern wirk­lich ist. Die meis­ten er­fah­ren das in ei­nem ein­zi­gen Work­shop, ei­ni­ge we­ni­ge brau­chen ein paar mehr, um ihr Herz wie­der zu öff­nen und zu füh­len. Oh­ne Herz kannst du in dei­ner Be­zie­hung kei­ne ech­te Part­ner­schaft er­rei­chen und auch nicht dei­ne Be­stim­mung er­ken­nen. Oh­ne dein Herz ist dein Le­ben oh­ne Gleich­ge­wicht. Du magst hart ar­bei­ten, kannst aber we­der füh­len noch emp­fan­gen oder dich freu­en. So ge­se­hen kön­nen die Work­shops ei­nen un­schätz­ba­ren Wert für die Teil­neh­mer ha­ben, näm­lich wenn sie die Rich­tung er­ken­nen, be­mer­ken, was sie bis­her ver­passt ha­ben, und mo­ti­viert sind, ih­re Her­zen aus dem Irr­weg und dem da­mit ver­bun­de­nen Schmerz her­aus­zu­füh­ren. Ein Work­shop kann un­ser in­ne­res Wachs­tum enorm be­schleu­ni­gen.

Wird es in Ih­rem Work­shop in Ham­burg ei­nen be­stimm­ten Schwer­punkt ge­ben?

Im Ham­bur­ger Work­shop geht es um un­se­re Be­stim­mung im Le­ben und dar­um, lie­ben zu ler­nen. Das hat viel mit ei­ner Ver­än­de­rung un­se­rer Wahr­neh­mungs­per­spek­ti­ve zu tun. Von un­be­wuss­ten Ur­tei­len, Op­fer- und Ra­che­mus­tern, un­ter de­nen wir un­se­re Angst zu ver­ber­gen su­chen, hin zu ei­nem neu­en Ver­s­tänd­nis, was wir als Mensch ur­sprüng­lich sein soll­ten, was wir tatsäch­lich zu ge­ben ha­ben und dass die un­be­grenz­te Lie­be un­se­re wah­re Na­tur ist. Lie­be be­freit uns von un­se­rem Ego, die Trenn­wand zwi­schen uns und den an­de­ren ver­schwin­det. Wir ent­de­cken die ge­gen­s­ei­ti­ge Ver­bun­den­heit von al­lem was ist.

In ei­nem Ih­rer Bücher – Wenn es fes­selt, ist es kei­ne Frei­heit – be­schrei­ben Sie, wie Fa­mi­li­en­ban­de un­ser Le­ben be­stim­men und wie wir uns dar­aus be­frei­en kön­nen. Wird das auch in Ih­rem Work­shop ei­ne Rol­le spie­len?

Ei­gent­lich wird die Bin­dung oder Fes­sel auf­grund der Fa­mi­lie in je­dem Work­shop be­han­delt, denn sie be­stimmt un­se­re Be­zie­hungs­mus­ter, die wie­der­um aus­schlag­ge­bend sind für un­se­ren Er­folg und un­se­re Lie­be in der Welt. Die un­be­wuss­ten Fa­mi­li­en­mus­ter – sei­en sie ö­di­pal (Ö­di­pus tö­te­te sei­nen Va­ter und hei­ra­te­te sei­ne Mut­ter, oh­ne die Fa­mi­li­en­be­zie­hung zu ken­nen), sei­en es Ei­fer­suchts- und Angst-Ver­schwö­run­gen – sind wohl die ge­fähr­lichs­ten Fal­len, de­nen wir im Le­ben zu be­geg­nen ha­ben. Sie blo­ckie­ren uns näm­lich zu­meist un­ter- be­zie­hungs­wei­se un­be­wusst. Wir be­mer­ken es gar nicht. Die­se Mus­ter kön­nen ver­än­dert wer­den, so­bald wir uns ih­rer be­wusst wer­den, wo­bei wir un­ter­schied­li­che Me­tho­den nut­zen kön­nen. Ei­ne Aus­sa­ge aus dem „Kurs in Wun­dern“ fin­de ich auf­grund ei­ge­ner Er­fah­rung be­son­ders tref­fend, näm­lich dass es ei­nen Weg aus al­lem Elend und al­len Fal­len ge­ben muss, weil sie nicht Got­tes Wil­len ent­sp­re­chen.

Ich möch­te hel­fen, die­se Mus­ter be­wusst zu ma­chen, so dass wir uns für Frei­heit und Ver­bun­den­heit ent­sch­ei­den kön­nen. Und die kom­men in un­ser Le­ben, wenn wir auf­hö­ren, in un­ser Ego zu in­ves­tie­ren. Nur so kön­nen wir die­se ver­bor­ge­nen Fal­len ver­mei­den be­zie­hungs­wei­se und dar­aus be­frei­en.

In Ih­rer Ar­beit ge­hen Sie auch auf ver­gan­ge­ne Le­ben ein. In­wie­fern hilft das den Men­schen?

Die Er­fah­run­gen ver­gan­ge­ner Le­ben sind wie un­be­wuss­te „Ta­ge- oder Dreh­bücher“, die un­ser jet­zi­ges Le­ben mit­dik­tie­ren. Ich ha­be et­li­che dra­ma­ti­sche Ver­än­de­run­gen mit­er­lebt, die durch die Hei­lung in Be­zug auf ver­gan­ge­ne Le­ben aus­gelöst wur­den. Wenn die Teil­neh­mer nicht an ver­gan­ge­ne Le­ben glau­ben, ver­wen­de ich ein­fach Me­tho­den aus The­ra­pi­en, die mit Träu­men ar­bei­ten, um an die­se un­be­wuss­ten Ta­ge­bücher her­an­zu­kom­men. Un­ser Ver­stand pro­du­ziert stän­dig Ge­schich­ten, im Traum eben­so wie im Wach­zu­stand. Deut­li­che Er­fah­run­gen ver­gan­ge­ner Le­ben sind in mei­nen Work­shops zwar eher sel­ten, doch wenn sie auf­tau­chen, be­trach­te ich sie als sehr wich­tig und be­deut­sam.

Sie ar­bei­ten of­fen­sicht­lich mit Lie­be, und die scheint sich in un­se­rer Welt zu­neh­mend zu ver­flüch­ti­gen. Was ist Lie­be?

Lie­be be­deu­tet, sich ge­gen­s­ei­tig das Bes­te zu wün­schen und sich ge­fühls­mäßig und en­er­ge­tisch aus­zu­wei­ten. Sie zeigt sich in vie­len For­men: im Ge­ben, Emp­fan­gen, im Dienst am Nächs­ten, im Han­deln, im Ver­ge­ben, im sich Ver­bin­den und Ein­bin­den, um nur ei­ni­ge Mög­lich­kei­ten zu nen­nen. Lie­be ist die Es­senz al­ler po­si­ti­ven Ge­füh­le. Wann im­mer wir das Herz von je­man­dem durch Zärt­lich­keit oder Hu­mor berüh­ren, berüh­ren wir den Men­schen durch Lie­be.

Was möch­ten Sie Ih­ren deut­schen Le­sern und Freun­den als Bot­schaft mit­ge­ben?

Ich möch­te euch mit­tei­len, dass die Zeit knapp wird, wäh­rend wir auf 2012 zu­schrei­ten. In den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren ha­be ich ei­ne Be­schleu­ni­gung in der Be­wusst­seins­ent­wick­lung be­ob­ach­tet. Herz und Geist der Men­schen ha­ben sich zu­neh­mend geöff­net. In den 1960er und 70er Jah­ren wa­ren sich die So­zio­lo­gen ei­nig, dass ei­ne ech­te Ver­än­de­rung im­mer da­mit zu­sam­men­hängt, dass ei­ne Ge­ne­ra­ti­on aus­stirbt und die nächs­te folgt. Mitt­ler­wei­le hat sich ein völ­lig an­de­res Bild er­ge­ben. Die Ver­wand­lung ge­schieht viel schnel­ler und ein­fa­cher.

Wir be­fin­den uns am Höhe­punkt der Be­schleu­ni­gung und auf­grund mei­ner For­schung kann ich sa­gen, dass es nun rea­lis­tisch ist, dass wir aus der bis­he­ri­gen Struk­tur des kämp­fe­ri­schen Wett­be­werbs in ein part­ner­schaft­li­ches Mit­ein­an­der wech­seln. Da­mit wür­den ei­ne tie­fe Ver­bind­lich­keit und Ver­bun­den­heit, ein Fluss des Le­bens und ei­ne Ver­wirk­li­chung un­se­res wah­ren Selbst ein­her­ge­hen. Frie­den und Se­gen wä­ren die Fol­ge. Der ein­fachs­te Weg da­hin ist die Freund­schaft. Be­hand­le je­den wie dei­nen Freund! Selbst der kleins­te Schritt in Rich­tung Freund­lich­keit, Großzügig­keit und Hei­lung ist da wich­tig!

 

Quelle: KGS Hamburg Magazin (02/2011)