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KGS Hamburg Magazin Artikel (Dezember 2012)

Lie­be ist das, was Hei­lung bringt

Wenn es in un­se­rem Le­ben an Lei­den­schaft und In­ti­mi­tät man­gelt, kann das dar­an lie­gen, dass uns ge­nau un­se­re Angst da­vor im Weg steht. Chuck Spez­za­no kennt aus sei­ner jahr­zehn­te­lan­gen Er­fah­rung in sei­ner Ar­beit als Psy­cho­lo­ge die Fal­len, die wir uns selbst stel­len und die uns dar­an hin­dern, ein er­füll­tes Le­ben und lie­be­vol­le Be­zie­hun­gen zu ha­ben.
Mit viel Herz und Hu­mor hat der Be­grün­der der Me­tho­de 
Psy­cho­lo­gy of Vi­si­on“ schon un­zäh­li­ge Men­schen in­spi­riert und er­mu­tigt, ihr Herz zu öff­nen und ihr ei­ge­nes Po­ten­zi­al voll zu ent­fal­ten. Im Fe­bru­ar wird Chuck Spez­za­no wie­der in Ham­burg sein – im In­ter­view mit KGS-Re­dak­teu­rin Mo­ni­ka Knapp spricht er über Män­ner, Frau­en, die im­mer glei­chen Ge­schich­ten und hoff­nungs­lo­se Fäl­le.






Chuck, ge­hen Frau­en und Män­ner das The­ma Be­zie­hung auf un­ter­schied­li­che Art und Wei­se an? Ist es so – ver­ein­facht ge­sagt –, dass Män­ner im­mer ver­su­chen, Pro­b­le­me zu lö­sen, und Frau­en ein­fach nur ge­liebt wer­den wol­len?


(lacht) Wie ich ges­tern Abend in mei­nem Vor­trag ge­sagt ha­be: Ich glau­be, die Göt­ter ha­ben die Be­zie­hung er­fun­den, weil sie et­was zu ih­rer Un­ter­hal­tung ha­ben woll­ten.

Al­so, in der männ­li­chen Psy­cho­lo­gie ist es grund­sätz­lich an­ge­legt, dass wir Hel­den sein wol­len, dass wir Mr. Fix-it sein wol­len – der­je­ni­ge, der ein Pro­blem wie­der in Ord­nung bringt. Das ge­fällt uns. Wenn ei­ne Frau al­so ein Pro­blem hat, wer­den wir im­mer ver­su­chen, es zu re­pa­rie­ren. Und das bringt uns in Schwie­rig­kei­ten. 

Be­vor ei­ne Be­zie­hung be­ginnt, be­nutzt die Frau ein Pro­blem auch gern mal, um ei­nen Mann ein­zu­fan­gen – das ist so alt wie die Mensch­heit. Aber wenn sie erst ein­mal in ei­ner Be­zie­hung sind und die Frau mit ei­nem Pro­blem an­kommt, will der Mann wie­der der Held sein und da­für be­lohnt wer­den. Er ver­steht nicht, um was es geht, er ver­liert sich in sei­nem „Was kann ich tun, um das Pro­blem zu lö­sen“. Wenn er sie ein­fach nur liebt, dann löst sie ihr Pro­blem, sie löst sein Pro­blem und al­les wä­re in Ord­nung. 

Klingt ei­gent­lich ganz ein­fach, ver­langt aber of­fen­bar ei­ne ge­wis­se Weis­heit.
 

Wenn die drei Wei­sen aus dem Mor­gen­land Frau­en ge­we­sen wä­ren, wä­ren sie ers­tens recht­zei­tig ge­kom­men, sie hät­ten Je­sus nicht an sei­nen schlimms­ten Feind ver­ra­ten, sie hät­ten prak­ti­sche Ge­schen­ke mit­ge­bracht und den Stall sau­ber ge­macht. Die­se drei Ty­pen aber ka­men zu spät, er­zähl­ten He­ro­des von dem neu­ge­bo­re­nen Kind Je­sus und brach­ten Ge­schen­ke mit, mit de­nen die­se ar­men Men­schen im Stall gar nichts an­fan­gen konn­ten. Weis­heit und Män­ner – das passt ir­gend­wie nicht wirk­lich zu­sam­men, oder?

Ich bin seit 27 Jah­ren mit mei­ner Frau ver­hei­ra­tet und seit 29 Jah­ren mit ihr zu­sam­men. Und ich glau­be, ich ha­be ihr ein­fach im­mer gut zu­ge­hört. Was sie sagt, schrei­be ich ein­fach auf und so ent­s­te­hen mei­ne Bü­cher. Denn was weiß ein Mann schon über Be­zie­hung. (lacht)

Lang­weilt es Sie nicht, im­mer wie­der die glei­chen Fra­gen und Ge­schich­ten zu hö­ren?

Die glei­chen Ge­schich­ten tau­send­mal … Was es so kurz­wei­lig macht, sind nicht die Ge­schich­ten, son­dern die Men­schen da­hin­ter. Und dass ich sie da­bei un­ter­s­tüt­zen kann, den nächs­ten Schritt zu tun. 

Ich bin selbst in so vie­le der wohl­be­kann­ten Fal­len ge­tappt und ha­be ge­lit­ten. Und ich hät­te mir je­man­den ge­wünscht, der mir ge­hol­fen hät­te, der ein freund­li­ches Wort für mich ge­habt und mir ei­nen Weg aus Si­tua­tio­nen ge­zeigt hät­te, in de­nen ich mich fest­ge­fah­ren hat­te. Aber ich glau­be, dass eben ge­nau das mei­ne Auf­ga­be ist. 

Ges­tern im Vor­trag ha­be ich ei­ne Ge­schich­te er­zählt vom Tag vor mei­ner Hoch­zeit. Ich ging da­mals zu den Nach­barn, um sie zu un­se­rer Par­ty ein­zu­la­den. Der Mann kam an die Tür, er war An­walt, hat­te ei­ne schö­ne Frau und ei­nen fünf­jäh­ri­gen Sohn und ein schö­nes Zu­hau­se. Ich sag­te al­so, dass ich ihn zu mei­ner Par­ty ein­la­den woll­te, weil ich hei­ra­ten wür­de. Und er sag­te: „Oje, das tut mir leid für dich.“ Als ich von ihm weg­ging, be­schwer­te ich mich im Stil­len bei dem da oben und sag­te: „Wenn du willst, dass ich hei­ra­te, war­um zeigst du mir dann nicht ein Bei­spiel für ei­ne glück­li­che Ehe? Nur eins, das ist doch nicht zu viel ver­langt.“ Das war ei­ner der Mo­men­te in mei­nem Le­ben, in dem ich die Stim­me hör­te. Und wenn du die Stim­me hörst, bringt dich das zur Be­sin­nung. Sie sag­te: „Du bist der­je­ni­ge, der ver­s­pro­chen hat, die­ses Bei­spiel zu ge­ben.“ Ich ant­wor­te­te, „Okay, ich ha­b’s ver­s­tan­den.“

Im Lau­fe der Jah­re ha­be ich her­aus­ge­fun­den, dass, wenn wir uns über et­was be­k­la­gen, es um et­was geht, das wir selbst nicht ge­ben wol­len. Wir ma­chen es an un­se­rem Part­ner fest, an dem, was er oder sie „falsch ge­macht“ hat, aber in Wirk­lich­keit tra­gen wir das Ge­schenk selbst in uns. Wenn wir auf­hö­ren gei­zig zu sein und dem an­de­ren en­er­ge­tisch die Hand hin­hal­ten, dann än­dert das al­les.

Die meis­ten Men­schen aber ge­nie­ßen es sich zu be­k­la­gen. Da­bei ver­let­zen wir uns da­mit nur selbst. Das ist nicht sehr er­folg­ver­sp­re­chend – es ist ei­ne Fal­le, in der sich vie­le von uns be­fin­den.

Al­te Ge­wohn­hei­ten sind ja nur schwer ab­zu­le­gen …

Al­ler­dings. Wenn du al­so merkst, dass es ir­gend­wie schief­läuft, dann fängst du hof­f­ent­lich an Fra­gen zu stel­len, um her­aus­zu­fin­den, was ei­gent­lich ab­geht. War­um es nicht funk­tio­niert und ob es nicht ei­nen bes­se­ren Weg gibt. Wenn du es wirk­lich willst, wirst du es her­aus­fin­den. 

Ha­ben Sie über die Jahr­zehn­te in Ih­rer Ar­beit be­ob­ach­tet, dass sich die Fra­gen um das The­ma „Be­zie­hung“ her­um ver­än­dert ha­ben, oder sind es im­mer die glei­chen Pro­b­le­me und Ge­schich­ten? Gibt es viel­leicht ei­ne grund­sätz­li­che Ver­la­ge­rung der Pro­b­le­ma­ti­ken?


Es gibt auf je­den Fall ei­ne Ver­än­de­rung. Zu Be­ginn ei­ner Be­zie­hung ha­ben die Men­schen im­mer noch die glei­chen Fra­gen und Pro­b­le­me. Aber es geht ih­nen auch mehr um ei­ne spi­ri­tu­el­le Di­men­si­on. Und sie möch­ten den Weg zu­rück zur Freu­de fin­den. Zu ei­nem Be­wusst­sein der Ein­heit. Es geht um die Ver­bun­den­heit mit an­de­ren. 

Vor Kur­zem ha­be ich ei­ne Zei­le im „Kurs in Wun­dern“ ge­le­sen, da ging es um die „wirk­li­che Welt“. Das ist im „Kurs“ ei­ne Me­ta­pher für das Pa­ra­dies, für den Him­mel auf Er­den. Und in die­ser wirk­li­chen Welt ü­ben die Men­schen Ver­ge­bung. Wenn du ver­gibst, dann bringt dir das Frie­den. Es löst Pro­b­le­me ein­fach auf. Auch und vor al­lem Pro­b­le­me, die un­lös­bar er­sch­ei­nen. Wir kön­nen Kopf, Herz und Geist be­nut­zen, um uns aus dem zu be­frei­en, was wie ei­ne Sack­gas­se aus­sieht.

Ha­ben Sie die Er­fah­rung ge­macht, dass Hei­lung auf psy­chi­scher Ebe­ne mit Hei­lung auf kör­per­li­cher Ebe­ne Hand in Hand ge­hen kann?
 

Oh ja! Mei­ner Er­fah­rung nach ist der Kör­per grund­sätz­lich neu­tral. Wir ver­la­gern die Kon­flik­te des Ver­s­tan­des auf den Kör­per. Und wenn du den Kon­flikt an sei­ner Wur­zel lö­sen kannst, dann ver­schwin­den die Sym­p­to­me.

So­gar so­ge­nann­te un­heil­ba­re Sym­p­to­me. Ich er­in­ne­re mich an ei­ne Frau, die an Myas­the­nia gra­vis litt, ei­ner Krank­heit, bei der man die Kon­trol­le über die Mus­keln ver­liert. Sie war ei­ne sehr hin­ge­bungs­vol­le An­wäl­tin, sie ar­bei­te­te im Ghet­to, 80 bis 90 Stun­den pro Wo­che. Und nun konn­te sie nicht mehr ar­bei­ten. Sie konn­te kaum noch lau­fen. Als nächs­tes wä­re der Roll­stuhl ge­kom­men. Aber nach drei Sit­zun­gen konn­te sie wie­der ar­bei­ten. Schon nach der ers­ten Sit­zung hat­te sie wie­der ge­hen kön­nen. Wir hat­ten un­ge­fähr fünf Sit­zun­gen. Da­nach war sie ei­ne an­de­re Frau als vor­her. Nur ganz sel­ten, wenn sie es mit der Ar­beit über­trieb und sich kei­ne Pau­se gönn­te, zeig­ten sich ganz leich­te Sym­p­to­me. An­sons­ten war sie frei da­von. Das war En­de der 1970er, als ich ge­ra­de an­ge­fan­gen hat­te, et­was dar­über zu ler­nen und da­mit zu ar­bei­ten. 1982/83 ha­be ich an ei­nem ganz­heit­li­chen Ge­sund­heits­in­s­ti­tut im Sü­den Ka­li­for­ni­ens ge­ar­bei­tet.

Es funk­tio­niert al­so wirk­lich, ich ha­be ge­se­hen, wie Men­schen ge­sund ge­wor­den sind. Und ich ha­be auch ein paar ge­se­hen, wo es nicht funk­tio­niert hat. Aber ich ha­be wei­ter mit ih­nen ge­ar­bei­tet, weil ich wuss­te, es gibt hier et­was für mich zu ler­nen. Ich woll­te her­aus­fin­den, was ich in mir noch nicht ge­heilt hat­te und war­um ich ih­nen nicht hel­fen konn­te. 

Was glau­ben Sie, ist das grö­ß­te Miss­ver­s­tänd­nis, das Be­zie­hun­gen sa­bo­tiert?
   

Miss­ver­s­tänd­nis­se ent­s­te­hen, wenn die Ver­bun­den­heit ver­lo­ren geht, sie sind ein Ver­hal­tens­mus­ter. Kom­mu­ni­ka­ti­on kann et­wa 85 Pro­zent al­ler Miss­ver­s­tänd­nis­se klä­ren. Die rest­li­chen 15 Pro­zent ha­ben mit den Mus­tern der je­wei­li­gen Per­son zu tun. 

Es geht dar­um, al­les da­für zu tun, die Ver­bin­dung mit dem an­de­ren wie­der her­zu­s­tel­len und ihm ge­gen­über lie­be­voll und of­fen zu sein. 

Ein klas­si­sches Mus­ter in­ner­halb ei­ner Be­zie­hung ist, dass der Mann sich nar­zis­tisch ver­hält und die Frau an­fängt, mit ih­ren Ge­füh­len zu gei­zen. Un­ter­su­chun­gen über ei­nen Zeit­raum von zehn Jah­ren ha­ben ge­zeigt, dass man bei Paa­ren, die kurz vor der Hei­rat stan­den, zu ei­nem gro­ßen Pro­zent­satz sa­gen konn­te, wel­che Be­zie­hung hal­ten wür­de und wel­che nicht. In de­nen, die nicht hiel­ten, zeich­ne­ten sich die Pro­b­le­me schon ab – die Frau hat­te meist kei­ne Ach­tung vor dem Mann, sie zeig­te ihm ih­re Ver­ach­tung, ver­dreh­te in be­stimm­ten Si­tua­tio­nen die Au­gen und so wei­ter … Und der Mann hör­te der Frau nicht zu. Es war al­so ein Teu­fels­kreis. Wenn er sie auf­lau­fen ließ, zeig­te sie ihm ih­re Ver­ach­tung erst recht. Dann wird es wirk­lich schwie­rig!

Gibt es hoff­nungs­lo­se Fäl­le?

Ich glau­be nicht. Weil es nicht der Wil­le des Him­mels ist, dass et­was hoff­nungs­los ist. Ich glau­be, es gibt Fäl­le, wo Men­schen ein­fach nicht die Ant­wort fin­den und nicht wis­sen, wie sie ei­ne Ver­bin­dung zum an­de­ren her­s­tel­len kön­nen.

Aber man muss es wirk­lich wol­len!


Ja, das muss man. Und wenn ich es nicht schaf­fe, weil ich zu viel Angst ha­be – oder was auch im­mer es ist – dann kommt mein Part­ner mir viel­leicht mit Lie­be und Ver­s­tänd­nis ent­ge­gen. Dann kann sich die Dun­kel­heit auf­lö­sen und ich kann Hoff­nung schöp­fen. Lie­be ist das, was Hei­lung bringt. 

Dan­ke für das Ge­spräch, Chuck!
 


Fo­to: Tor­ge Nie­mann



 

Quelle: KGS Hamburg Magazin (12/2012)